Mittwoch, 2. August 2006

Eine Kurz(e)geschichte

Reissvernuss

Heute lief Theobald nackt auf die Straße. Die Leute haben geguckt. Was sollten sie auch sonst tun?! Typisch deutscher Voyeurismus. Immer, wenn sich Theobald mit seinem Adamskostüm hinaus ins dachlose Paradies verläuft, fallen diese erschrockenen, aber sich nach fremder Nacktheit zehrenden Blicke auf seinen hautfarbenen Anzug.

Irgendetwas war heute anders als all die Male zuvor. Auf die zweihundertjährige Eiche an der Straßenecke kletterte gerade ein fuchsrotes Eichhörnchen. Der Baum stand seit voriger Woche unter Denkmalschutz. Es gab sogar ein tolles Foto in der Zeitung: Die Eiche und der zweihundert Pfund schwere Bürgermeister. Dem kleinen Tier war das egal. Es verstand nichts von den eichelartigen Festlichkeiten der Menschen. Für ihn war die Eiche schon seit Jahr und Tag sein Zuhause. Jetzt legte es gerade seinen Wintervorrat an Nüssen und Eicheln an.

Mit einem Mal kehrte das Eichhörnchen um und schnellte geradewegs auf Theobald zu. "Blitzschnell!", werden die Leute später sagen. Die kleine Gerda rief Theobald, der von dem Eichhörnchen noch nichts ahnte, warnend zu: "Pass auf!" Nur wenige Sekunden später erschallte ein langer hoher Schrei in den gespitzten Ohren der Voyeure.

Das Eichhörnchen kehrte auf sein Denkmal zurück. Zufrieden war es. Das Winterlager war nun fast gefüllt.

Erlaubt mir noch folgende kleine Anmerkung: Diese tieftraurige Geschichte vom armen Theobald ist jetzt schon etwa drei Jährchen alt. Sie ist also schon alt genug, selbst zu entscheiden, ob sie hier stehen will oder nicht. Sie will nicht.

Mittwoch, 26. Juli 2006

Der Wal hat die Qual

Qualwal

Kennt wer den Pottwal aus Douglas Adams' Buch PER ANHALTER DURCH DIE GALAXIS? Jener Wal, der kurz zuvor noch eine für Arthur Dents Raumschiff bedrohliche Atomrakete war, befindet sich seit seiner unerwarteten Verwandlung in einen Meeressäuger mit einem Mal im freien Fall aus dem Orbit des Planeten Magratea hinunter auf denselben. "Wer bin ich?", ist sein erster Satz seines nur kurzen Lebens. "Was meine ich wohl mit der Frage 'Wer bin ich?'", philosophiert er weiter. Wenige Sekunden später, gerade als der Wal glaubt, langsam das Leben verstanden und sich ein zusammenhängendes Bild von den Dingen gemacht zu haben, wird sein Dasein durch den unausweichlichen Zusammenprall mit Magratea beendet.

Der Wal hat die Qual. Das sagten schon die alten Norwegeher - und die Japanapapaner auch. Weit, weit vorher aber noch - ihr wisst schon, damals in der guten alten Zeit - da war es für beide Nationen noch große Tradition, in hellen vom Neumond beschienenen Regennächten ans Meeresufer zu gehen, um im seichten Wasser mit abgetrennten Pferdeköpfen dem ehrwürdigen Aalfang nachzugehen. Ganz schön widerlich eigentlich. Später jedoch, als das Schiff erfunden, aber das große A zu teuer geworden war, wurde aus dem Aalfang schnell der Walfang. Das W war zu jener Zeit einfach der billigste große Buchstabe. Ja, und somit war das traurige Schicksal der Wale besiegelt. Ein großes Pech. Wie gut würde es ihnen heute gehen, wäre seinerzeit das Sch günstiger gewesen. (Ich weiß ja, das Sch ist gar kein allein stehender Buchstabe, aber wer wird denn da gleich kleinlich sein?)

Von nun an übrigens gab es in besagten Ländern auch keinen teuren Anfang mehr. Man begann einfach gleich mit dem Ende. Partys wurden nun äußerst kurz. Genauso manche Röcke. In Romanen war von Beginn an klar, wie alles am Ende ausgeht. Und Würstchen sind das wohl bekannteste aus dieser würzigen Kürze erwachsene Phänomen, denn alles hatte lediglich ein Ende, nur die Wurst hatte jetzt eben zwei. Bei Regenwürmern streitet man sich da noch, aber da bleibe ich am Ball.

Sind denn noch jemandem die Aikinger ein Begriff? (OK, das waren vom Prinzip her keine Norwegeher, aber trotzdem Skandinavier) Ein ganz Bekannter von ihnen hieß Aickie. Von ihm sollte es später sogar eine Zeichentrickserie geben - unter neuem, billigerem Namen versteht sich. Lustige Nebenerscheinung des wirklich sehr teuer gewordenen Letters A war übrigens, dass es plötzlich keine Armut mehr gab. Manche waren jetzt einfach nur noch pleite. Und was meint ihr, wie verdammt neidisch sie heute alle auf den Audi sind?!

Jetzt am Ende frage ich mich, warum man in den beiden Ländern nicht von Anfang an einfach die generelle Kleinschreibung eingeführt hat. Und Japapan arbeitete doch ohnehin nur mit Strichzeichnungen. Aber sag das heute mal zu 'nem Wal!

Dienstag, 25. Juli 2006

Der erste Text ohne Buchstaben

nichts

Ich schreibe nichts. Wieso auch? Das wäre doch eine unbeschreibliche Verschwendung der Zeit all derer, denen ich sonst noch nicht einmal Hör zu! sage. Und jetzt sollen sie hier plötzlich in den Zirkel des Lesens eintauchen? Schließlich schreibt doch mindestens ein weiterer Mensch auf dieser Welt in diesem Moment auch nichts. Das gebe ich jedem gerne schriftlich. Ich werde ihn finden und dann gründe ich mit ihm den Club der unbeflügelten Worte.

Im Wort 'schreiben' entdecke ich übrigens gerade drei weitere Wörter: 'schrei', 'reiben' und 'ei'; 'schreib' lassen wir hier mal weg, denn das wäre ja fast so bodenlos als würde ich aus dem Wort 'Birne' ein Bier zapfen wollen.

Und hier noch die gelöffelte Weisheit für das Heute vom vorletzten Übermorgen: Reib einen runden Buchstaben auf hundert Gramm Spiegel. Gib ein ungelegtes Ei aus einer geschälten Neonröhre hinzu. Rühre dann eine filetierte Idee und ein sternförmiges Popcorn unter und schreib anschließend so leise du kannst: "Mein liebes Mädchen! Wie viele Zeitschriften wurden wohl in diesem Text, der gern auch ganz ohne Buchstaben hätte auskommen können, verbraten?"

Übrigens: Das mit diesem Club der unbeflügelten Worte lass ich dann doch lieber sein.

hesi BLOGGt ab

Manchmal ist mein Kopf so voller Leere, dass ich hunderte Bögen Papier damit vollschreiben könnte. Aber da ist überall schon nichts drauf!

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