Dienstag, 8. Mai 2007

Analogie einer Rosinenschnecke


Ein Glück! Nach der langen Schönwetterphase ist nun doch mal wieder eine kleine Regenzeit eingekehrt. Nicht, dass ich mich darüber freuen würde, nun wieder jeden Tag einen Knirps für den Fall der Regenfälle spazieren führen zu müssen. Nur wollen wir ja auch mal an unsere Mama denken, die sich da Natur nennt. Jetzt ist sie erst einmal wieder glücklich, denn für sie scheint die Sonne gerade in Strömen. Ich gönne es ihr.

RosinenschneckenDie netteren Hundehaufen
Heute Morgen kreuzten Horden von Nacktschnecken meinen derzeit also feuchten Weg zur Arbeit. Nacktschnecken. Das sind diese klammen langen braunen Weichteile, auf die man nur ungern treten mag, worauf aber vorher offenbar trotzdem schon sehr viele andere Weggenossen mit ihren Fußsolen gestoßen zu sein scheinen - sicherlich unabsichtlich. Da sie - die Schnecken - aber nicht so widerwärtig stinken und auch aus eigener Kraft lebendig sind, sind Nacktschnecken quasi die netteren Hundehaufen unter den diversen Straßenbelägen. Sie werden nicht von irgendeiner Töle auf die Straße zur eigenen Erleichterung und weiteren Verrottung herniedergekringelt. Nein, Nacktschnecken kommen ganz von allein aufs Straßenpflaster. Sie sind damit also wohl auch die intelligenteren Hundehaufen. In ihrer vollen Pracht und Kraft findet man sie meist, nachdem die Smogdecke zwischen Erde und einer Regenwolke mal wieder nicht dichthalten konnte. Denn dann stürmen sie zu Hunderten aus den grünen saftigen Wiesen heraus auf die Straßen zum Spielen und Spazieren. Viele von ihnen wissen gar nicht, dass sie dort leider auch oft ihr jähes Ende finden. Und dann müssen sie sogar, wenn sie ganz, ganz großes Pech haben, neben einem echten Hundehaufen verrotten. So hart kann manchmal Mama Natur sein. Scheiß Schneckenleben! (Sind die Schneckchen damit noch immer intelligenter als Hundehaufen? Na, immerhin könnte sich eine Schnecke ja aussuchen, ausgerechnet neben einem Hundehaufen zu sterben - rein theoretisch betrachtet. Einen umgekehrten Fall kann ich mir hingegen nicht vorstellen)

Die Analogie beginnt
Nun, denn. Feuchter Weg zur Arbeit und alljährlicher Schneckensuizid. So also auch heute Morgen. Ich unterhielt mich gerade mit einer Arbeitskollegin über das bevorstehende Leid der einen oder anderen Schnecke, als sie - meine Arbeitskollegin - sich eine Zigarette anzündete. Das ist mir als Nichtraucher natürlich sogleich aufgefallen, denn dafür habe ich inzwischen ein Auge. Kurz nachdem mir also passiv ein klein wenig von dem nervengasähnlichen Rauch in meine unschuldigen Lungen gepresst wurde, war sie plötzlich da, die alles erklärende und verdeutlichende Analogie! Die Raucher-Nacktschnecken-Analogie. Insbesondere, da meine Kollegin aus heiterem Himmel noch einen Kübel voller Salz und Rosinen ins Gedankenspiel einbaute.


Abb.: In austrocknender Salzumgebung verendete Nacktschnecken (gereinigt)

Schauen wir uns doch noch einmal unsere Nacktschnecken an. OK, eine reicht auch! Sie kriecht da also mir nichts, dir nichts auf die noch feuchte, aber potenziell bald wieder trockene Straße. Nehmen wir jetzt mal an, dass dieses Weichtier nicht gänzlich dumm ist und nicht einfach nur des Kriechens wegen kriecht, sondern auch denken kann. Oder lassen wir ihm ganz einfach einen Überlebensinstinkt haben. Dank seines Überlebensinstinktes sollte es eigentlich wissen: "Nein, ich darf die Wiese nicht verlassen, sonst könnte ich sterben." Nehmen wir jetzt auch noch an, auf der Straße liege ein riiieeeesiger Berg Salz, der an der grünen saftigen Oase des Lebens grenzt. Wie auch immer der dahinkommt! (Ich denke, aus reiner Vorstellungskraft) Alle Schnecken finden diesen Salzberg wuuunderschön. Er strahlt so herrlich weiß und sieht so sauber aus. (Nein, bitte nicht mit Waschmittel verwechseln!) Schneckchen sollte sich darüber im Klaren sein, dass es da draußen in dem persilesken Weiß sterben würde. Greift der Instinkt, bleibt Schneckchen dort, wohin es gehört, und lebt bis an sein Lebensende. Greift er nicht, kriecht es in den "weißen Tod". Schneckchen schrumpft dann aufgrund der durchs Salz einsetzenden Osmose in kürzester Zeit zur Größe einer schrumpeligen Rosine zusammen und sieht dann vermutlich auch so aus. Daher mein Tipp: Auf salzigen Wegen niemals etwas vom Boden aufnehmen und essen, was auch nur ein bisschen an Rosinen erinnert. Es sei denn, jemand steht auf gepökelte Rosinenschnecken ... oder auf Hasenkötel.

Wie Salz auf unserer Haut
Übertragen wir das Beispiel nun also auf die Spezies Mensch. Der nichtrauchende Mensch sagt und weiß: "Nein, ich rauche nicht! Das ist stark gesundheitsschädlich und macht mich nur krank und am Ende tot." Er sieht den (bald) trockenen Weg und den noch trockeneren Salzberg und meidet demnach beides gekonnt.
Der Raucher hingegen scheint dies nicht zu wissen oder verdrängt diese "lebensrettende Wissenschaft" einfach. Er stürzt sich aus seiner Oase dem hellen Licht des hügeligen Küchengewürzes entgegen. Am Fuße des Berges angekommen suhlt und wühlt er sich nun im Salze, wirft es mit beiden Händen fröhlich in die Luft und räkelt sich im eigens herbeigezauberten Kristallregen. Er bemerkt dabei nicht, dass jedes einzelne auf ihn niedergehende Korn seinen Körper mehr und mehr ausdörrt. Weiß ist jetzt in! Es sieht doch so cool aus! Und es machen doch alle! Es brennt vielleicht ein bisschen in den Augen. Hm, eigentlich tut es sogar höllisch weh. Aber die Tränen waschen sie ja wieder rein. Und Tränen schmecken doch ohnehin schon etwas salzig. Dann darf es ruhig auch noch etwas mehr sein. Na, und irgendwie kommt er auch nicht mehr so gut vom Fleck weg. Lässt da etwa die Kondition nach? "Ach, quatsch! Im Alter kann man eben nicht mehr so wie früher!"

Der letzte Gedanke allerdings wird von unserer Raucherschnecke - um einfach mal beim tierischen Beispiel zu bleiben - gar nicht mehr zu Ende gedacht. Denn dann ist schon tote Rosine angesagt, nur eben nicht so süß wie eine; eher eine Mischung aus schrumpeliger Rosine und gepökeltem Hasenkötel.

Fies ist es nur dann, wenn Raucherschnecken noch zu ihren verkürzten Lebzeiten in ihrem Salzwahn nicht darauf achten, dass sie Nichtraucherschnecken in ihrer Nähe einer Passivpökelei unterziehen. Aber man muss den Raucherschnecken verzeihen! Sie haben ja Rosinen auf den Augen und Shit im Maul.

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:-) (Gast) - 19. Mai, 01:27

Ich mag es solchen abstrusen Gedankengängen zu folgen und es macht Spaß deine Texte zu lesen, aber negative Kritik gibt es auch, denn der letzte Satz kann alles zerstören. Ist halt nicht jedermans Sache.
Trotzdem mehr davon.
Habe übrigends beim Lesen Hunger auf Rosinenschnecken bekommen, ganz schön fies.
;-)

hesi - 26. Mai, 23:16

@ anonym

Ich freu mich, dass du meine Texte gerne liest. So viele gibt es hier davon ja (noch) nicht. Und danke für deine Kritik. Nur was meinst du genau damit, dass der letzte Satz alles zerstören könnte? Meinst du das verlinkte Bild oder doch eher meine etwas vulgär ausgedrückte Abneigung gegenüber das Rauchen?

Wie waren deine Rosinenschnecken eigentlich? Oder ist es dann doch nur beim Hunger auf selbige geblieben?
:-) (Gast) - 19. Jul, 22:21

Sorry, habs gerade erst mal wieder auf deine Seite geschafft, das letzte Mal war schon länger her. Nett, dass du auf die Kommentare antwortest :-)
Naja, das Zerstörerische lag glaub ich an der Kombination aus verlinktem "Scheißhaufen" und vulgärem Ausdruck. Ist nicht nett, wenn man erst an leckere Rosinenschnecken denkt und dann nen Bild von einem "Scheißhaufen" vor sich hat. Zu Essen gabs dann doch nichts mehr ;-)
Gegenüber Rauchern kann man übrigends gar nicht abfällig genug sein.

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